Ein 300 km-Streckenflug in Leewellen am 16.04.00
[Wolfgang Stoepel]

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Vorbemerkung: Die Ziffern in eckigen Klammern sollen dabei helfen, die Schilderung von Wolfgang auf Flugweg und Barogramm beziehen zu können. Sie finden sich zu diesem Zweck sowohl im Text als auch auf den Abbildungen.

Von Achim Wehrmann erhielt ich vorab folgende Mitteilung:
"Interessant war besonders aus Wellensicht der 16. April 2000: An dem Tag muessen ja ueberall die Wellen gestanden haben. Leider war ich selber nur in einer etwas schwachen Welle am Doernberg aber Wolfgang Stoepel vom Dingel hat an diesem Tag ein 300er geflogen und war dabei nur zwei Mal unter (!!!) der Basis. 
An dem Tag war eigentlich eine gute Wolkenthermik. An einigen Wolken mit staerkeren Baerten konnte vorbeigestiegen werden und danach muss nur noch die ganze Atmosphaere gewellt haben. Bei Bad Gandersheim war er auf ca. 3000m bekam aber keine Freigabe zum Weitersteigen. 
Im Sauerland ging es aehnlich hoch."

 

Der Bericht von Wolfgang:

Der Tag begann mit der Planung, ein 300 FAI Dreieck zu fliegen. 
Es war zwar Wind aus SW mit 30 bis 40 km/h, aber nicht ersichtlich für mich, daß Welle ansteht.

Auf dem Weg nach Allendorf Eder (1. Wende) war ich im Hangwind vom Dörnberg und musste mich unten tief rausschaffen [1] .

Dirk Rabenau mit einem Discus vom Dörnberg gesellte sich dazu und wir flogen Richtung Waldeck auf einen grossen Cumulanten zu. Dort waren 3 m/s anzutreffen bis an den Cumulanten ran. Im Luv Steigen an der Wolke vorbei bis auf ca 2500 m [2]. Dirk kam auch dazu und einige andere vom Dörnberg und Dingel später. 

Auf dem Flug nach Allendorf hatte ich noch zweimal Welle an Cumulanten, wobei das Stärkste am Staubecken vom Edersee war [3].

Über Allendorf habe ich eine ASK13 getroffen, die gerade über den Wolken stieg. [4]

Nach der Wende auf dem Weg zum Edersee war ich kurz unter der Basis. [5]

Am Staubecken gings wieder über die Wolken. Das Steigen war so gut, dass ich vor den 3000m immer aussteigen musste. [6] 

Von Bad Wildungen ab - direkt nach Sontra im Geradeausflug - immer kleine Wellen ausnutzend. Kurz vor Sontra, oder danach, war ich wieder unter der Basis und erstaunlicherweise ging nichts am Meissner. [7]

Im Funk sagte Steffen Brill, er habe Kassel Nord eine starke Welle und er bekommt keine Freigabe. Dort bin ich wieder eingestiegen [8] und auf dem Weg nach Bad Gandersheim ging alles recht schnell. 

Als ich  wendete und mir gerade Gedanken machte wie ich wohl nach Hause komme bei den starken Wind, geriet ich in eine Welle die mit über 3m/s ging [9]. Bei 2800m gerade nach Hause, wobei noch öfters Steigen angefunden wurde. 

Das Flugzeug war eine LS6 mit 18 Metern. 

Im Funk hörte man im Sauerland viele Welle fliegen. Einige kamen wohl auch über 3000m, da sie einen Transponder haben, oder Freigaben.

 

Soweit der Bericht von Wolfgang. 
Im Folgenden einige mit Hilfe der Logger-Daten gewonnene Illustrationen:

Abb.:  Barogramm des Fluges
           (Darstellung: Karl-Heinz Dannhauer)

Abb.:  Darstellung des Flugweges     
           (Steigphasen sind hellgrün, Sinkphasen blau gekennzeichnet) 
           (Darstellung: Karl-Heinz Dannhauer)

Abb.:  Darstellung des Flugweges     
           (Die absolute Höhe ist farbcodiert, von kleinen zu großen Werten aufsteigend: rot, gelb, grün,
           hell- bis dunkelblau) 
           (Darstellung: Moritz Dannhauer)

Abb.:  Dreidimensionale Darstellung des Flugweges     
           (Steigphasen sind rot, Sinkphasen hellgrün  gekennzeichnet) 
           (Darstellung: Karl-Heinz Dannhauer)

Abb.:  Dreidimensionale Darstellung des Flugweges - Blickpunkt über Kassel in SW-Richtung
           (Die absolute Höhe ist farbcodiert, von kleinen zu großen Werten aufsteigend: rot, gelb, grün,
           hell- bis dunkelblau) 
           (Darstellung: Moritz Dannhauer)

Abb.:  Dreidimensionale Darstellung des Flugweges - Blickpunkt über Kassel in NW-Richtung
           (Die absolute Höhe ist farbcodiert, von kleinen zu großen Werten aufsteigend: rot, gelb, grün,
           hell- bis dunkelblau)
           (Darstellung: Moritz Dannhauer)

Nachsatz:
Spannend - gerade im Hinblick auf die Verallgemeinerbarkeit der Wellenstandorte - ist natürlich in erster Linie, ob die erflogenen Wellen orografisch oder durch Konvektionshindernisse ausgelöst wurden. 
Hinsichtlich der Wellen am Edersee und bei Allendorf vermag ich nichts beizutragen, 
daß der Meißner bei SW keine Wellen ausbildete, erscheint nicht unbedingt unplausibel, da idealerweise weiter rechtsdrehende Windrichtungen zur Wellenbildung führen. 
Der orografische Charakter der Wellen im Raum der BAB "Kassel Nord" ist wahrscheinlich (Auslöser Habichtswald). 
Die Welle im Raum Bad Gandersheim ist geradezu eine Offenbarung:
Im Zusammenhang mit der Frage, ob die Wellen dort durch den Höhenzug der Ahlsburg (hier westliche Schulter des Leinetalgrabens) ausgelöst werden, liefert der Flug von Wolfgang erstmals einen bestätigenden Hinweis darauf: in das bisherige hypothetische Bild paßt der Verlauf seines Fluges insofern, als er womöglich eine Primärwelle dieses Höhenzuges in dem östlich an diesen  anschließenden Leinetal und eine Sekundärwelle in dem von Kreiensen ausgehenden, Richtung  SE verlaufenden Tal, erflogen hat (Mehr dazu).