Im Segelflug quer durch Europa - auch im Winter?
Vision oder Utopie


[Karl-Heinz Dannhauer, Oschatz]
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von  Karl-Heinz Dannhauer                                                                                 

Alle reden über Europa – warum sollen wir als Segelflieger nicht auch mal über grenzüberschreitende Flüge in Richtung Osteuropa nachdenken.

Der Leewellenstreckenflug von Milos Pajr am 22.Oktober 2005 über 911 km (OLC) von Jesenik (Beskiden) aus, in den Leewellen der Beskiden und des Riesengebirges, hat auf jeden Fall neugierig gemacht und die Phantasie angeregt.

 

Die Idee die bereits erflogenen Wellengebiete im Streckensegelflug zu verbinden ist nicht neu. Auf unseren jährlichen Treffen der „Mittelgebirgsleewellenflieger“ in Bad Gandersheim (Karl-Heinz Dannhauer, 2002) in Göttingen (Vortrag: „Knapp 3000 m in der Harzwelle und nun ? Gedanken und erste Erfahrungen zur streckensegelfliegerischen Nutzung verschiedener Wellenstandorte), in Aschersleben und im letzten Jahr in Laucha -  haben wir immer wieder auf diese Möglichkeiten hingewiesen und darüber diskutiert, wie man ein solches Vorhaben realisieren könnte.

In diesem Beitrag möchte ich nun versuchen eine realisierbare Vision aufzuzeigen.

Die Story

Die Idee, die relativ gut erflogene Harzwelle als Sprungbrett nach Südost vielleicht bis ins Riesengebirge (der Heimat des Wellensegelfluges) zu nutzen, kam mir bei zwei Wellenflügen am Nordharz  Ende Dezember 2003 (siehe  27.12.2003  und 28.12.2003).

 

In der Nachbereitung der Flüge stellte ich fest, das das Windfeld bei der typischen Wellenwettersituation (präfrontale Situation mit ausgeprägter Südwestströmung in der Höhe und am Boden) eine gute Voraussetzung für die Wellenentwicklung sowohl für den Harz als auch für das Riesengebirge darstellt. Schon damals stellten wir Überlegungen an -  bei welcher konkreten Wettersituation ein Flug zum Riesengebirge theoretisch möglich ist.

Da uns nunmehr mit dem Wellenstreckenflug von Milos Pajr am 22.10.2005 auch die erflogenen Bedingungen der anderen Seite zur Verfügung stehen, möchte ich die Wetter/Windverhältnisse hinsichtlich der Verbindung beider Wellengebiete nun diskutieren.

 

Aus diesen Überlegungen heraus scheint ein Gleitflug auf der Grundlage der  bereits erflogenen Höhen am Harz (höchste dokumentierte Höhe: Carsten Lindemann  7200m  am 30.10.2000) bis zum Wellenanschluß im Lee des Riesengebirges theoretisch möglich.

 

Der Wind und die Bewölkung

Bei diesem Vorhaben (Gleitflug vom Harz ins Riesengebirge) gibt es neben den Flugsicherungsaspekten zwei wesentliche meteorologische Probleme:

1. Der Wind unterwegs (Stärke und Richtung)

2. Die Bewölkung

Hinsichtlich des Windes wurden nachträglich auf der Grundlage des Fluges vom 28.12.2003 Windmessungen im angenommenen Streckenverlauf  zusammengestellt. Die nachstehende Abbildung zeigt die Windverhältnisse entlang des angenommenen Streckenverlaufes.

 

In der nächsten Abbildung sind die Satellitenkarten vom 28.12.2003 und vom 22.10.2005 dargestellt. Sie zeigen die Bewölkungsverhältnisse insgesamt und typischen Lentikulariswolken als Hinweis auf eventuell unterwegs anzutreffende  Steiggebiete.

 

Die Flugsicherungsaspekte

Ein solches Vorhaben bedarf neben der technischen, navigatorischen und meteorologischen Vorbereitung vor allem der flugsicherheitstechnischen Planung bzw. Fluganmeldung. In jedem Fall ist für den grenzüberschreitenden Verkehr und für den Flug oberhalb FL 100 eine Freigabe bzw. ein Flugplan erforderlich.  Im vergangenen Jahr haben wir sehr positive Erfahrungen sowohl mit der Öffnung des Wellenfensters „Harz“ (bis FL 200) als auch mit den Freigaben zum Verlassen des Wellenfensters oberhalb FL 100 gemacht (10.01.2005 Direktfreigabe Wellenfenster Harz – Stölln/Rhinow).

Die Problematik der Aufgabe eines Flugplanes für den Einflug nach Polen bzw. Tschechien im reinen Segelflug wird im Moment geprüft und ist nach ersten Gesprächen hinsichtlich der Möglichkeiten positiv zu beurteilen.

 

Die Zusammenfassung

Ein Langstreckensegelflug, der die Wellenfluggebiete der Mittelgebirge auch nach Osten hin miteinander verbindet ist keine Utopie.

Die Bedingungen für diese grenzüberschreitenden Flüge müssen geschaffen und es muss der Anspruch, auf der Grundlage der geltenden gesetzlichen Rahmenbedingungen, angemeldet werden.

Dazu werden noch Mitstreiter gesucht !