Leewellenflüge südöstlich von Bad Gandersheim am 28.10.89
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Einleitunde Anmerkungen
[Jörg Dummann]

An diesem Tag wurden die größten jemals von Bad Gandersheim aus in einer Welle erreichten Höhen - nämlich maximal 5000 m - erflogen.

Ich hatte damals die beteiligten Piloten gebeten, ihren Flugweg aus dem Gedächtnis in eine zur Verfügung gestellte Kartenkopie einzutragen. Neben dieser Projektion des Flugweges auf eine horizontale Fläche (Karte) erbat ich auch eine Projektion auf eine vertikal ausgerichtete, gedachte Fläche, die sich in Windrichtung erstreckt.
Die folgende Schemazeichnung soll der hier sicherlich erforderlichen Veranschaulichung dienen:







Erfreulicherweise haben sich fast alle der Beteiligten rückgemeldet und neben der zeichnerischen Darstellung auch noch viele ergänzende Informationen geliefert, so daß es möglich war, ein recht genaues Gesamtbild des Ereignisses zu gewinnen.

Der Bericht gliedert sich wie folgt

Berechtigt und bisher noch gänzlich unbeantwortet bleibt die Frage, ob es sich bei der Welle überhaupt um ein orografisch ausgelöstes Phänomen (vielleicht eher bedingt durch frontale Vorgänge?) handelt und falls ja, welcher Höhenzug - oder deren mehrere - als Auslöser in Betracht kommen. In diesem Zusammenhang ist m.E. auch die Frage nach einem möglichen Einfluß des Harzes auf die luvseitige Strömung in Betracht zu ziehen (vgl. hierzu die allgemeine Fragestellung - Link und Zieldatei werden später realisiert!!)
 
 

Tabelle: Die Wellenflüge des 28.10.1989 von Bad Gandersheim (EDVA) aus in der Startfolge
 
Flug-
zeug
Flugzeugtyp  Name des/der Piloten  Name des Vereins Start- 
zeit
[GMT]
Lande-
zeit
[GMT]
Erreichte 
Höhe
[m QFE EDVA]
A SF 27 M R.Cronjäger LSV "Thermik" Alfeld 13.04 15.20 ca. 4.300
B. ASK 21  A.Wenzeck/Schüler LSV "Thermik" Alfeld  13.06  13.18  < 400
DG 100 LSV "Thermik" Alfeld ? ? ?
Std.Cirrus  D.Lose  Akaflieg Göttingen ? > 5.000
ASK 21  A.Wenzeck/Schüler LSV "Thermik" Alfeld  13.29  14.36 ca. 1.500
Astir CS  W.Deinzer  Akaflieg Göttingen  13.42  14.25 ca. 2.300
Cirrus (18m)  R.Nitz  LSV "Thermik" Alfeld  13.47 14.56  ca. 3.000
E K 7 J.Dummann/F.Warlich  LSV Bad Gandersheim  13.49  15.44 ca. 1.800
F.  K 6 E  H.-J.Fischer LSV Bad Gandersheim 13.55 15.58  ca. 3.000
B.  ASK 21  A.Wenzeck/Schüler  LSV "Thermik" Alfeld 14.45  15.30 < 450
G Std.Cirrus K.Schwabe  Akaflieg Göttingen  ca. 14.30 ca. 16.00 ca. 1.350

* der Buchstabe kennzeichnet das Flugzeug in den nachfolgenden Darstellungen

Flugberichte der Piloten:

[Rainer Cronjäger, damals LSV Thermik Alfeld:]

Eigenstart bei fast wolkenlosem Himmel, Wind aus Süd mit ca. 30 km/h. Im Verlauf des bisherigen Tages ist noch niemand obengeblieben. Die Luft ist sehr turbulent. Starkes Steigen und Sinken wechseln sich ab. In 1.100 m Abstellen des Motors über der B248, Höhe Echter Hang. An dieser Stelle, an der später die Welle stand, ist zu diesem Zeitpunkt starkes und turbulentes Saufen. Die Windstärke beträgt hier in 1.100 m ungefähr 80 km/h.

Dieser "Motorflugteil" von Rainers Flug kann anhand der punktierten Linie auf der Kartendarstellung unten "Synopse 13:00 - 13:30 Uhr" genauer nachvollzogen werden.

Es folgt ein Vorgleiten bis zum westlichen Teil des Echter Hangs. Der Höhenverlust beträgt ca. 300 m

(Strichpunktierte Linie in Abb. unten "Synopse 13:00 - 13:30 Uhr".)

Dort finde ich sehr turbulentes starkes Steigen bis 3,5 m/s - jedoch nicht konstant. Ich steige mit integrierten 1,2 m/s bis auf 1.300 m. In dieser Höhe verweile ich einige Zeit. Die Luft ist immer noch sehr ruppig. Das Steigen läßt sich nicht lokal ausmachen (Mal hier, mal dort). Von unten steigen dann der Std. Cirrus, die DG 100, der Cirrus und die ASK 21 an mich heran. Oben finde ich nur schwaches Steigen.

Als die anderen etwa 100 m unter mir sind, geht bis 1600 m in dem eingezeichneten Gebiet. Dann ist wieder Schluß. Die anderen steigen an mich heran. Inzwischen ist die Luft sehr ruhig geworden.

In dieser Zeit von 14.30 bis 15.15 hat die Bewölkung von 1/8 bis 2/8 Cirrus-Bewölkung auf 8/8 hohe Bewölkung zugenommen. Der Wind hat dabei noch nicht merklich zugenommen. Unter der hohen Bewölkung fiel mir auf, daß sich direkt über uns bzw. bis zur Autobahn ein grauer ortsfester Wolkenschleier gebildet hat. Er war aber sehr zerfasert und nur für kurze Zeit zu sehen.

Beim Hin- und Herfliegen parallel zum Hang werden die Biegen immer mehr Richtung Autobahn ausgedehnt. Ich gewinne jedoch keine Höhe mehr. Plötzlich steigt die DG 100, die vorher 50 m unter mir war, schnell an mich heran. Kurze Zeit später schlägt mein Feinvario bis zum Anschlag aus.

Dies war vielleicht 1 km nördlich der Autobahnabfahrt Echte. Mit 70 bis 75 km/h steigt es sehr konstant mit 1,2 m/s. Wir, der Std.Cirrus, die DG 100, der Cirrus und ich werden dabei langsam Richtung NNO versetzt. In 2.500 m steigen wir westlich an einer Lenti vorbei. In 3.000 m angelangt, können wir von oben auf diese und andere Lentis, die im Harz stehen, schauen. Die Lentis sind dabei sehr kurzlebig. Ab 3.800 m wird das Steigen etwas schwächer (1 m/s). Aufgrund der Versetzung fliege ich dann 80 km/h. In 4.300 m höre ich dann vor Kälte auf. Es stieg aber noch weiter.

Von Westen kann man schon die abfallende Bewölkung sehen.
 
 

Separate allgemeine Anmerkungen Rainers:

Aus den Erfahrungen beim Vorfliegen schätze ich, daß der Wind eine Geschwindigkeit von ca. 90 bis 100 km/h hatte.

Bei der Landung (16.20 Uhr) sind es am Boden 60 - 65 km/h aus SW.

Gegen 16.40 Uhr beginnt es leicht zu regnen.

Meine Höhenangaben sind wahrscheinlich zu gering, da bei Vergleichen mit anderen Höhenmessern meiner immer etwas weniger anzeigte. Bei 1.600 m waren dies etwa 100 m im Vergleich zur DG 100.
 
 

[Dietmar Loose, damals Akaflieg Göttingen
Bericht in der "Der Kühler", Unabhängige vereinsverbindende Zeitschrift des Flugplatz Bad Gandersheim e.V., Ausgabe Nr.3 April 1990:]

DARF'S NOCH EIN BISSCHEN HÖHER SEIN...!

Segelfliegerromantik, gibt's die? Eigentlich stand ich diesem Begriff immer etwas skeptisch gegenüber, doch ich glaube, alle die mit mir das Glück hatten eine wirklich außergewöhnliche Wetterlage ausnutzen zu können, werden ihren Flug an diesem Tage nicht so schnell vergessen.

Es war bis zum Nachmittag einer dieser spätherbstlichen Tage in Gandersheim, an dem die meisten "Hochleistungs"-Segelflieger schon ein thermikreiches Frühjahr herbeisehnen und die Flugschüler sich an vielen ruhigen Platzrunden erfreuen können.

Zur Wetterlage: Seit ein paar Tagen wurde unser Wetter von einem Hoch über Polen bestimmt, ein Tief über den britischen Inseln sollte im Laufe des Tages mit seinem Frontensystem für unseren Bereich wetterwirksam werden. Die Voraussage ließ auf im Tagesverlauf auffrischende südwestliche Winde hoffen, so daß wohl nicht nur wir (Akaflieg Göttingen) an ein paar "Stündchen" Hangfliegen dachten. Doch wie so oft passierte erst einmal gar nichts.. Der Wind ließ bis auf ein laues Lüftchen auf sich warten, und so genoß ich lieber die herrliche Herbstsonne und beobachtete die vielen unermüdlichen Hangflieger, die nach wenigen Minuten dem Horizont immer näher kommend, teils in atemberaubender "Höhe" erleichtert den Platz erreichten.

So gegen 15.00 Uhr fielen mit recht unscheinbare Lenticularis-ähnliche Wolken am südlichen Harzrand auf. Fast unmerklich hatte das laue Lüftchen zwar zugenommen, doch es gelang immer noch keinem der "Leistungspiloten" für längere Zeit den Hang von oben zu betrachten.

"Einmal versuchst du es auch noch", dachte ich und fand mich wenig später in 300 m über dem Hang im Cirrus (Std. Cirrus) wieder. Überrascht stellte ich fest, daß sich die Varionadel zunächst zögernd, aber dann immer deutlicher im Bereich zwischen 0 und 0,5 m/s bewegte und ich bis auf 450 m steigen konnte. Aufgrund des immer noch schwachen Windes mußte zu diesem Zeitpunkt eine ungemein stabile Luftschichtung herrschen, was mich auf "mehr" hoffen ließ.

Ohne zu zögern flog ich den Autobahnhang an und stieß dort zwar auf kein größeres Steigen, aber es war hier, wie so oft, wesentlich konstanter. Mittlerweile hatte sich weit über mir die Lenticularis beeindruckend aufgetürmt und im Südwesten war die angekündigte Front nun schon deutlich zu sehen. Einige andere Flieger hatten unterdessen auch den Weg zum Hang gefunden und waren ebenso erfreut wie ich über die Gelegenheit, noch einige Zeit in der Luft verbringen zu können.

Nach ein paar weiten Suchkurven in Richtung Harz fand ich mich plötzlich in sehr ruhigem, konstantem Steigen von ca. 1 m/s wieder. Das konnte nur Welle sein!! Das Steigen hielt bis auf 1.400 m in dieser Stärke an und nahm dann sogar auf 1,5 bis 2 m/s zu. Hoch erfreut darüber genoß ich es, den Höhenmesser ruhig wie eine Uhr nach oben klettern zu sehen. Die Windgeschwindigkeit schätze ich bei 2.000 m auf etwa 70 bis 80 km/h, was sich im nachhinein, dank der von Jörg Dummann angeforderten Wetterauswertung des DWD, als noch zu gering erwies.

Neugierig darauf, wie weit die Zone des guten Steigens reichen würde, flog ich Richtung Harz mit ca. 120 bis 130 km/h ab und war überrascht, daß sich an den Steigwerten bis Herzberg nicht änderte.

Wieder an der Autobahn angekommen, traf ich auf zwei Alfelder Fliegerfreunde, die den Einstieg in die Welle ebenfalls geschafft hatten, während sich weit unter uns einige Flieger nicht am Hang abmühten. Die wunderschöne Lenticularis, die wir bei mittlerweile 3.500 m erreicht hatten, stimmte mich zuversichtlich, daß hier noch lang nicht Schluß sein sollte. Die Nase in den Wind gestellt, mit 80 bis 100 km/h auf dem Fahrtmesser, stiegen wir vor der Wolke bis auf 4.000 m. Fasziniert von dem Anblick dieser Wolkenformation und dem immer kleiner werdenden Harz, war die Kälte in dieser Höhe schon etwas leichter zu ertragen. Als meine Mitflieger sich zum Abstieg entschlossen hatten, war es auch für mich Zeit mir, angesichts der bedrohlichen, näher rückenden Front, der bald einsetzenden Dunkelheit und dem langen Weg nach "unten", Gedanken darüber zu machen, wie weit ich es noch ausreizen könnte. "Laut Höhenmesser 5.000 m Startüberhöhung, die sollten es schon sein!", dachte ich, obwohl ich mich dabei, zugegeben nicht sehr wohl fühlte, aber...!!

Die Lenticularis hatte ich nun schon weit überstiegen und das Hauptproblem war jetzt, neben der Kälte, mit der zunehmenden Haubenvereisung klar zu kommen. Aber aufgrund der immer noch konstanten Steigwerte hatte ich mein Ziel schnell erreicht und war froh, daß ich mich schleunigst auf den Rückweg machen konnte. Mit voll ausgefahrenen Klappen versuchte ich ein Gebiet möglichst ohne aufsteigende Luftmassen zu finden., was mir über Markoldendorf im Leinetal gelang. Da ich die ersten 2.000 m abwärts sehr schnell bewältigte, zwangen mich heftige Kopfschmerzen dazu, den Abstieg etwas behutsamer fortzusetzen, obwohl mittlerweile leichter Regen eingesetzt hatte und die Dunkelheit in Bodennähe bekanntlich schon recht weit fortgeschritten war. Der weitere Abstieg verlief ohne Probleme.

Am Platz angekommen, der Windsack und die Bewegungen des Tower-Baumes ließen auf stürmischen Wind schließen, entschloß ich mich, um den Tower-Baum herum genau gegen den Wind zu landen, was sich angesichts des Regens und der widrigen Windverhältnisse in einer halbwegs sauberen Landung auszahlte.

Das war's also! Eines meiner beeindruckensten Flugerlebnisse hatte seinen Abschluß gefunden.Auf die Frage, wie hoch es noch gegangen wäre? Nun, vielleicht bekomme ich oder einer von Euch beim nächsten Mal eine Antwort darauf!

Wir hatten das Glück zur richtigen Zeit am richtigen Ort zu sein und vielleicht ist es gerade diese Tatsache in Verbindung mit ein bißchen Risikobereitschaft und Erfahrung, die das Segelfligen immer wieder zu einem kleinen Abenteuer werden läßt und die Faszination für diesen Sport ausmacht.

Also gibt es sie doch - die Segelfliegerromatik - ???
 
 

[Andreas Wenzeck, LSV Thermik Alfeld;
Flug mit der ASK 21 von 13.06 Uhr bis 13.18 Uhr:]

Am ersten Hang (hinter den Fischteichen - Sebexer Hang) und am Kreiensener Hang Wechsel zwischen starkem Steigen und Sinken (ca. 3 m/s). Das Steigen ist kaum ausfliegbar. In diesem Bereich scheint ein Rotor zu stehen.

Dieser Flug von Andreas ist auf der Abb. "Synopse 13:00 - 13:30 Uhr" dargestellt.
 
 

[Andreas Wenzeck, LSV Thermik Alfeld;
Flug mit der ASK 21 von 13.29 Uhr bis 14.36 Uhr:]

Anfänglich verläuft dieser Start wie der erste. Selbst über Kreiensen findet sich starkes turbulentes Steigen, das aber nicht ausfliegbar ist. Dann Rückflug zum ersten (Sebexer) Hang mit 200 m Höhe. Dort erfolgt der Einstieg in den Aufwind um ca. 13.38 Uhr (13.40 Uhr). Die DG und der Standard Cirrus steigen hier schon. Das ganze Tal bei Sebexen trägt mit 1 - 1,5 m/s. Mit 450 m fliege ich zum Echter Hang. Der Einstieg in die Welle ist nur vom Echter Hang in Richtung Südwest möglich. Die Steigwerte sind unregelmäßig, sie liegen zwischen 0,5 und 1,5 m/s. Über die Autobahn Richtung Süden zu fliegen brachte nichts. Gegen 14.20 Uhr steige ich bei 1.500 m mit 1,5 m/s aus, da ich den nächsten Schüler spazierenfliegen will.

Die Welle muß gegen 13.30 Uhr bis 13.40 Uhr durchgebrochen sein. Der Bodenwind hatte zugenommen und es war Steigen zu finden wo vorher nur Turbulenz gewesen war
 
 

[Andreas Wenzeck, LSV Thermik Alfeld;
Flug mit der ASK 21 von 14.45 Uhr bis 15.30 Uhr:]

Kurz vor dem Start meldeten sich die Plastik-Einsitzer schon aus 2.200 m Höhe.

Ein erneuter Einstieg in die Welle aus dem Hang war zu diesem Zeitpunkt schon nicht möglich (Siehe unsere K 7, die schon gelandet war - 14.13 Uhr - als ich in 1.400 m Höhe war). Weder sie noch ich kamen bei diesen Flügen über 450 m am Echter Hang hinaus.
 
 

[Willi Deinzer, Akaflieg Göttingen:]

Nach dem Windenstart bin ich zum Sebexer Hang geflogen. Als ich dort in etwa 300 m Höhe ankam, sah ich am Kahlberg zwei oder drei Plastikflugzeuge, darunter auch unseren Cirrus (Std. Cirrus) rasant hochsteigen. Meine geringe Höhe veranlasste mich aber, vorerst am Sebexer Hang Höhe zu gewinnen. Mit 600 m fühlte ich mich hinreichend sicher und flog den eingezeichneten Weg - hoch über mir drei echte Wellenflieger. Ich stieg bis auf 2.300 m, ziemlich gleichmäßig. Dann war es zu Ende. Ich versuchte es noch ca. 20 Minuten, dann stieg ich ab.
 
 

[Jörg Dummann, damals LSV Bad Gandersheim:]

Nachdem schon am vorhergehenden Wochenende in der Gandersheimer Welle Höhen von etwas weniger als 1.700 m GND EDVA erreicht worden waren, kommen an diesem Sonnabend wohl schon einige mit der Hoffnung auf eine erneute Wellenflugmöglichkeit zum Flugplatz. Die Wettervorhersage von südlichen bis südwestlichen im Tagesverlauf auffrischenden Winden bei Warmluftadvektion gibt diesem Gefühl ein reales Fundament.

Schon die Beobachtungen während der ersten Flüge dieses Tages zum Sebexer Hang bestätigen die Vermutung: wie schon des öfteren steht offenbar ein Rotor mit schwach ausgeprägter Turbulenz über dem Gandersheimer Platz. Von uns festgestellt in der Segelflugplatzrunde. Auf dem Weg zum Sebexer Hang findet sich teilweise ein Sinken von 2 - 3 m/s. Weder der Sebexer noch der Kreiensener Hang tragen - abgesehen von dem ersten Start unserer K 6 CR, bei dem am Sebexer Hang bei schwächstem Steigen 600 m erreicht, aber auch sogleich wieder verloren wurden.

Auch über der Stadt Bad Gandersheim läßt sich keine Steigen feststellen. Die Windrichtung ist SSW und die Windgeschwindigkeit mit ungefähr 6 m/s eher gering. Der Himmel ist wolkenlos.

Von einer Motorseglerbesatzung, die aus Bisperode kommend, in Ganderheim landet, erfahren wir, daß zu diesem Zeitpunkt am Ith wesentlich höhere Windgeschwindigkeiten festgestellt werden.

Die Besatzung einer Cessna 150 aus Oldenburg berichtet von einem Steiggebiet über Alfeld. Die Windverhältnisse bleiben bis ungefähr eine halbe Stunde vor unserem Start unverändert. Die (vermutete) Rotortubulenz war ortsfest, ausfliegbares Steigen war weder über den SW-Hängen (Sebexer und Kreiensener) noch über der Stadt Bad Gandersheim zu finden. Ungefähr eine halbe Stunde vor unserem Start mit dem Herannahen von Altostratus-Bewölkung setzt eine stetige Verstärkung des Windes ein und die Hoffnung, daß die Hänge jetzt tragen würden, setzt sich durch. Eine erste Gruppe hangsegelnder Flugzeuge bestätigt dies bald.

Wir starten um 13.49 Uhr. Auf dem Weg zum Sebexer Hang teilweise mit maximal 1 m/s steigend, teilweise mit 2 - 3 m/s sinkend (ohne, daß Turbulenz zu verspüren ist) kommen wir mit ungefähr 300 m im tragenden Bereich des Hanges an. Wir folgen dem Hangverlauf nach Osten - immer schwach steigend. Die Entscheidung schon in dieser Höhe bis zum Echter Hang vorzufliegen fällt nicht schwer - zumal dort schon einige Flugzeuge 600 - 800 m hoch waren. Tatsächlich wird das Steigen dort wesentlich besser: 1,5 - 2 m/s, im geschätzten Schnitt betragen unsere Steigwerte 0,5 - 1 m/s. Ohne die Höhendifferenz zu den Vorausgestiegenen verringern zu können, steigen wir im Gebiet des Echter Hangs auf ungefähr 1000 m. Während des Steigflugs ist eine deutliche Zunahme der Windgeschwindigkeit zu beobachten, so daß schon jetzt einige Unvorbereitete - darunter wir - hinter den Hang getrieben werden. Mit 85 - 90 km/h stehen wir ortsfest über dem Hang, ohne allerdings weiter zu steigen. Die ASK 21 und die K 6 E sind zu diesem Zeitpunkt ungefähr auf unserer Höhe.

Mit 110 - 120 km/h vorfliegend streben wir nun der Stelle über der Autobahn zu, wo ich schon des öfteren Anschluß an die Welle bekommen hatte (knapp nördlich BAB-Abfahrt Echte). Ortsfest steigen wir hier mit 1,5 - 2 m/s auf 1.400 m und übersteigen damit deutlich die K 6 E, die im Hangbereich geblieben war (Die ASK 21 hatten wir außer Sicht verloren). In der genannten Höhe ist das Steigen wie abgeschnitten. Die K 6 E hatte sich inzwischen leewärts zu uns gesellt und war dort besser gestiegen, so daß wir uns - mit 70 km/h fliegend - rückwärts dorthin versetzen lassen. Dort gewinnen wir wieder etwas an Höhe - das Steigen läßt aber bald wieder nach und wir sinken unter 1.400 m. Die Alfelder K 7 versucht zu diesem Zeitpunkt offenbar vergeblich unter uns den Anschluß an die Welle. Bei dem Versuch gegen den Wind vorzufliegen, geraten wir bald in 1 - 2 m/s Sinken. Erst jetzt setzt sich bei mir die Erkenntnis durch, daß in dieser Welle die Verhältnisse offenbar ganz anders sind, als in den bisher hier erflogenen: ortfestes Steigen ist nicht möglich. So fasse ich ungern den Entschluß in den starken Wind einzudrehen. In 1.100 m über der Autobahn am Nordost-Hang zeigt die Schnauze wieder in den Wind und wir steigen mit 1,5 - 2 m/s bis auf 1.800, uns dabei mit 80 - 85 km/h langsam zurückversetzen lassend. In dieser Höhe endet das Steigen wiederum. Die Höheren hatten sich - offenbar besser steigend - noch weiter lee- und "Harzwärts" versetzen lassen. Wir versuchen ihnen nun zu folgen. Vielleicht 500 m tiefer als die K 6 E lassen wir uns rückwärts-seitwärts versetzen bis wir schließlich senkrecht unter den Höheren waren. Also zu weit leewärts - ohne wieder Steigen zu treffen.

Der Versuch wieder vorzufliegen gerät zu einem fast ortsfesten Abstieg. 800 m benötigen wir, bei z.T. geringem Sinken und ca. 130 km/h Fahrt, um über die Raststelle Seesen zu gelangen. Die Versuche die Bodenmannschaft per Funk zu erreichen, damit diese vor Einbruch der Dunkelheit den Hänger für unsere augenscheinlich bevorstehende Außenlandung vorzubereitet, sind vergeblich. Unterhalb von 1.000 m läßt der Wind aber deutlich nach, die Sinkwerte werden jedoch größer. Dennoch ist jetzt ein besseres Vorankommen. Wir gelangen knapp in den Platz.

Dort herrscht ein Bodenwind von ca. 15 m/s aus SW. Einige Flugzeuge halten sich noch am Hang, der jetzt offenbar im Bereich eines Rotors liegt, wie Cumulus fractus - Bewölkung dort vermuten läßt. Mehr als schätzungsweise 300 m sind dort aber nicht mehr zu erreichen. Bei unserem hektischen Einräumen fällt ein großtropfiger Regen geringer Intensität.
 
 

Versuch einer Rekonstruktion der zeitlichen Abfolge der Flüge:

[13.04 - ca. 13.22]
Die SF 27 M (Rainer Cronjäger) steigt mit Motorhilfe: Sowohl starkes turbulentes Sinken als auch Steigen im Steigflug . In 1.100 m über dem Echter Hang starkes, sehr turbulentes Saufen. Wind ca. 80 km/h.

[13.06 - 13.18]
Andreas (Wenzeck) fliegt mit der ASK 21. Er findet über dem Westteil des Sebexer Hangs und über dem Kreienser Hang sowhl starkes Fallen als auch Steigen, welches aber nicht ausfliegbar ist.

[Ca. 13.22 - ca. 13.25]
Rainer (Cronjäger) hat den Motor der SF 27 M abgestellt und gleitet zur Westseite des Echter Hangs. Dort kommt er mit 800 m an.

Synopse: 13.00 bis 13:30 Uhr (MEZ)
[Höhe in m QFE Bad Gandersheim (EDVA 240m), hier dreifach überhöht dargestellt]
 
 

[ca. 13.27 - 13.35]
Er findet dort in ungefähr 800 m turbulentes starkes Steigen bis zu 3,5 m/s. Er steigt mit integrierten 1,2 m auf 1.300 m.
(Unter Berücksichtigung des Höhenmesseranzeigefehlers sind dies wohl etwas weniger als 1.400 m)

[13.29]
Während Rainer (Cronjäger) über dem Echter Hang schon in der Welle steigt, erfolgt der nächste Start von Andreas (Wenzeck) mit der ASK 21.
Er stellt kurz danach am Kreiensener Hang nur turbulentes nicht ausfliegbares Steigen fest.

[ca. 13.35 bis ca. 13.45]
Rainer fliegt hält die Höhe von 1.300 m (1.400 m korrigiert) direkt über dem Echter Hang.

[ca. 13.38 (13.40)]
Andreas steigt mit 200 m Höhe in den durchschnittlich (geschätzt) 1 - 1,5 m/s starken Aufwind am Sebexer Hang ein. Die Alfelder DG 100 und der Göttinger Std. Cirrus (mit Dietmar Lose? - keine Angaben vorhanden) befinden sich ebenfalls dort)

[ca. 13.42]
Willi (Deinzer) mit dem Astir CS der AF Göttingen startet. Er steigt am Sebexer Hang bis auf 600 m Höhe (wobei er am Echter Hang "zwei oder drei" Kunststoffsegler sieht (Den Göttinger Std. Cirrus, die DG 100 und die ASK 21 - die höherfliegende SF bleibt ihm offenbar verborgen).

[ca. 13.45 - 13.50 ]
Rainer steigt mit der SF 27 M auf 1.400 m (1.500 m korrigiert).

[13.47]
Raimund (Nitz) startet mit dem 18m-Cirrus. Ausklinkhöhe 450 m.

[13.49]
Frank (Warlich) und Jörg (Dummann) starten mit der K 7.

[ca. 13.50 - 13.55]
Rainer (Cronjäger) (SF 27 M) hält die 1.400 m (1.500 m korrigiert).

[ca. 13.51]
Raimund (Nitz)(18m-Cirrus) erreicht am Sebexer Hang mit wechselndem Steigen von 0 - 1 m/s die 500 m. Er fliegt Geschwindigkeiten zwischen 85 und 110 km/h.

[ca. 13.55 - 14.00]
Raimund (Nitz) (18m-Cirrus) beschreibt seine Position zu diesem Zeitpunkt mit 480 m über dem Echter Hang und Wechsel von 1,5 m/s Sinken bis zu 1 m/s Steigen bei 85 -110 km/h Fahrt und stärkerer Turbulenz.

[ca. 13.55 ]
Achim (Fischer) startet mit der K 6 E. Ausklinkhöhe 450 m.
Raimund (Nitz) (18m-Cirrus) steigt über dem Echter Hang relativ gleichmäßig mit 1 - 1,5 m/s bis ca. 850 m bei 80 km/h (was nach seinem Dafürhalten ungefähr der Windgeschwindigkeit entspricht). Er verspürt leichte Turbulenz.
Rainer sieht aus 1.400 m (1.500 m korrigiert) den Std.Cirrus, die DG 100 (Alfeld), den offenen Cirrus und die 21 bis auf 100 an sich heransteigen. Danach setzt auch bei Ihm das Steigen wieder ein.

[ca. 14.00]
Willi (Deinzer) steigt mit dem Astir CS mit 600 m am Echter Hang in die Welle ein

Synopse: 13.30 bis 14:00 Uhr (MEZ)
[Höhe in m QFE Bad Gandersheim (EDVA 240m), hier dreifach überhöht dargestellt]
 
 

[ca. 14.00 - 14.06]
Raimund steigt gleichmäßig mit 1m/s von ca. 850 - 900 m auf 1.200 m über dem Echter Hang.
(Der Höhenunterschied zu Rainers SF 27 beträgt um 14.00 Uhr also immer noch ungefähr 600 m - unter Berücksichtigung der Höhenmesserfehlanzeige der SF)

[ca. 14.05]
Achim (Fischer) erreicht mit der K 6 E in 600 m den Echter Hang, wo es zerrissen steigt (Evtl. 14.10).
Rainer erreicht 1.600 m (1.700 m korrigiert) über dem Echter Hang und kann bis ca. 14.10 Uhr nicht weitersteigen.
Raimund steigt mit wechselnden Steigwerten von 0 - 2 m/s bei 80 km/h (unverändert über dem Echter Hang) / Kurs.

[ca. 14.08 - 14.15]
Rainer fliegt in ca. 1.600 m (1.700 m korrigiert) parallel zum Echter Hang hin- und her. Dabei verlegt er die östliche Wende immer mehr zur Autobahn hin, vermag jedoch nicht mehr zu steigen.

[ca. 14.13]
Start der Alfelder K 7. Der Anschluß an die Welle gelingt nicht mehr. Die größte erreichte Höhe beträgt 450 m.

[ca. 14.15]
Die ASK 21 befindet sich in 1.400 m über dem Echter Hang.
Rainer sieht die DG 100 von 50 m unterhalb an sich heransteigen und steigt unmittelbar darauf selbst mit 1,2 m/s bei 70 - 75 km/h. Dabei erfolgt eine Versetzung nach NNE.

[ca. 14.20]
Die Gandersheimer K 7 befindet sich in 1.400 m über der Autobahn am Echter Hang und findet kein weiteres Steigen (Zeitpunkt geschlossen aus dem Sichtkontakt mit der Alfelder K 7). Es folgt in ungefähr 1.100 m ein Abdrehen mit dem Wind bis über die Autobahn am Nordost-Hang.
Raimund erreicht ca. 1.750 m. (Noch immer 80 km/h / Kurs)
In diesem Höhenbereich befinden sich jetzt Rainer, Raimund, die Alfelder DG 100, der Std. Cirrus und die 21.

[ca. 14.20 - 14.30]
Raimund findet bei leichter Turbulenz kein weiteres Steigen und fliegt Suchkreise im weiteren Umkreis von Dögerode. Bei Varioanzeigen von -1 - 1 m/s sinkt er wieder auf 1.700 m.

[ca. 14.20]
Andreas verläßt mit der 21 in 1.500 m über dem Echter Hang die Welle.

Synopse: 14.00 bis 14:30 Uhr (MEZ)
[Höhe in m QFE Bad Gandersheim (EDVA 240m), hier dreifach überhöht dargestellt]
 
 

[ca. 14.32]
Raimund fliegt in Richtung DG (die inzwischen ungefähr 900 m höher gewesen sein muß) und steigt in 1.650 - 1.700 m in völlig ruhiges Steigen von ca. 1,5 - 1,8 m/s ein, Fahrt 80 - 85 km/h (leicht Rückversetzung), Kurs.
(Hier ergibt sich eine Unstimmigkeit in den Zeitangaben von Rainer und Raimund: Nach Rainers Schätzung sind er und die DG ca.15 min früher als Raimund in die Welle ab 1.700 eingestiegen - dies würde bei 1m/s Steigen einen Höhenunterschied von 900 bedeuten)
In 2.500 m Vorbeisteigen westlich an einer Lenti.

[14.45 . 15.30]
Ein weiterer Flug von Andreas mit der ASK 21. Die größte erreichte Höhe beträgt 450 m am Echter Hang. Der Einstieg in die Welle gelingt nicht mehr.

[ca. 14.45]
Raimund erreicht 3.000 m dort wo der Nordost-Hang an die Autobahn gelangt. Er muß den Flug mit dem Vereinsflugzeug trotz eines Steigens von > 1,5 ms abbrechen.
(Aus Zeitunterschied mal Steigwerte ausrechnen: 1,666 m/s) sehr präzise!!

[ca. 14.45 - 14.56]
In 700 - 900 m im Leebereich des Sebexer Hangs stößt Raimund auf starke Tubulenz

[ca. 14.50]
Willi (Deinzer) erreicht über Seesen 2.300 m.

[ca. 14.50 - 15.10]
Willi (Deinzer) hält über Seesen die 2.300 m.

[ca. 14.55]
Rainer erreicht 4.300 m (> 4.400 m korrigiert) über Ildehausen und bricht trotz vorhandenem Steigens ab.
(Aus Zeitunterschied mal Steigwerte ausrechnen: 1,125 m/s) sehr präzise!!

Synopse: 14.30 bis 15:00 Uhr (MEZ)
[Höhe in m QFE Bad Gandersheim (EDVA 240m), hier dreifach überhöht dargestellt]
 
 

[15.10]
Willi (Deinzer) fliegt in Seesen ab.

[15.20]
Rainer (Cronjäger) landet die SF 27 M.

[15.25]
Willi (Deinzer) landet den Astir.

[15.30]
Achim (Fischer) fliegt mit der K 6 E aus 3.000 m über Seesen bei Steigwerten von 0,5 m/s ab.

[15.44]
Landung der K 7 mit Frank (Warlich) und Jörg (Dummann).