Wellen-Flüge vom 24.10.04 am Harz
[Div. Autoren]

Dokumentinterne Links: Bericht von Karl-Heinz Dannhauer    Bericht von Matthias Schmidt, Braunschweig   Bericht von Matthias Picht, Hattorf   Peter Pollacks Flug  Peter Pollacks Flug in der Auswertung von Herbert Horbrügger   Bericht von Ulli Böhne   Carsten Büddigs Flug   Fotos von Wolfgang Lieder  
Dokumentübergreifende Links:  Wetterinfo    Erlands damalige Vorhersage
Downloads: IGC-Datei von Matthias' (Picht) Flug   IGC-Datei von Matthias' (Schmidt) Flug   IGC-Datei von Volkmars Flug  IGC-Datei von Peters (Pollack) Flug  IGC-Datei von Ullis (Böhne) Flug    IGC-Datei von Carstens (Büddig) Flug


Zusammenschau aller 6 "geloggerten" Flugwege  - Steigen/Sinken farbcodiert.

Bericht von Karl-Heinz Dannhauer, Oschatz:

Dank der guten Wellenvorhersage (Erland Lorenzen und Carsten Lindemann) und dem unermütlichen Einsatz der Ascherslebener Kameraden (besonderer Dank an Wolfgang Lieder) hatten wir gestern am 24.10.04 einen wunderschönen Wellentag mit unerwartet großen (hohen) Flügen.

Nach dem Wellenalarm aus Aschersleben und der präzisen Beschreibung der Wettersituation von Erland Lorenzen hatten sich am vergangenen Wochenende 10 Piloten aus Braunschweig, Berlin, Bremen, Hamburg, Kassel und Leipzig in Aschersleben eingefunden.
Während am Samstag bei zu starker Westwindkomponente (240 Grad am Brocken) nur Flüge von max. 1-1,5 Stunden möglich waren, hatte Erland mit seiner Prognose für den Sonntagnachmittag wieder einmal recht. Der Wind schwächte voraussagegemäß ab Mittag etwas ab und drehte leicht auf Süd zurück (230 Grad 75 km/h am Brocken).
In schneller Folge kamen 7 Segler in die Luft - Auskuppelpunkt südöstlich Ballenstedt (Auskuppelhöhe ca. 1200 m). Das Wellensteigen im unteren Bereich war sehr schwach (0,2-0,5 m/s), erst in der Höhe waren die Steigwerte zum Teil über einem Meter. Um 12.30 Uhr UTC wurde das Wellenfenster am Harz aktiviert. Die größte Höhe des Tages lag bei  4500 m NN.

Zwei besondere Flugleistungen sollen hier stellvertretend erwähnt werden.

1. Matthias Gedan startete mit seinem Discus in Bisperode und  flog im Hangwind  bis zum Welleneinstieg bei Dielmissen und schaffte unterstützt durch Rückenwind den Sprung ins Harzlee, stieg im Wellenfenster des Harzes  auf ca. 3500 m und landete schließlich zu Hause in Goslar !!!!

2. Robert Liepelt  - 14 jähriger Flugschüler aus Aschersleben - schaffte mit Pirat den Welleneinstieg aus der Winde und stieg in der Welle über Aschersleben auf 2100 m !

Der vollständige Bericht über die Wellenflüge am Harz vom 24.10.04 wird nach Auswertung der Loggerdateien nachgeliefert.

Bericht von Matthias Schmidt, Braunschweig: 
Wellenfliegen für Anfänger

Innerlich hatte ich mit der Segelflugsaison 2004 schon abgeschlossen, als mein Vereinskamerad Volkmar mir vorschlägt, am Sonntag nach Aschersleben zum Fliegen in der Harzwelle zu fahren. Bisher hatte ich lediglich einmal eine Welle erlebt, und zwar bei Bad Harzburg und das auch nur ganz zufällig. Volkmar (Adam) hingegen fliegt regelmäßig in den Alpen und hat dementsprechend Erfahrung. Wir nehmen in Braunschweig unsere zwei Einsitzer auf die Haken und fahren nach Aschersleben. Unterwegs verfahren wir uns im Gewirr der Umleitungen um diverse Baustellen und sind um 11 Uhr endlich am Flugplatz Aschersleben. Dort werden wir ausgesprochen freundlich empfangen und wir lassen uns durch Karl-Heinz Dannhauer ausführlich in die Verhältnisse der Harzwelle einweisen. Karl-Heinz hat schon viele Flüge in der Welle am Harz gemacht und nennt uns auch die besten Einstiegspunkte in die Welle, wenn es denn anschwingt. Ob es heute zu einer nutzbaren Wellensituation kommt ist, ist zunächst zweifelhaft, da der Wind in der Höhe zuviel Westkomponente aufweist. Man macht uns keine große Hoffnung. Wir bekommen Karten mit der Platzrunde des Flugplatzes Aschersleben und die Betriebsbestimmung über die Durchführung des Wellensegelflugs am Harz in Kopie ausgehändigt. In der Betriebsbestimmung sind auch die GPS Koordinaten des Wellenflugfensters aufgeführt. Wir ziehen unsere Hänger neben der Startbahn zur Schwelle 29 hinunter und bauen auf. Bald werden schon die ersten Segelflugzeuge von der Wilga in der Luft gezogen. Volkmar ist wie immer schneller als ich am Start. Ich programmiere schnell noch die Eckpunkte des Wellenfluggebietes in meinen Logger ein und ziehe mich warm an für den Fall, daß es richtig hoch geht, falls es überhaupt anschwingt. Mittlerweile wird das erste Segelflugzeug auf 2000 m gemeldet. Als letzter starte ich um 13:30 Uhr im F-Schlepp hinter der Wilga. Der Start mit Seitenwind ist problemlos. Die Wilga ist erfreulich leise und schafft mich in etwa 12 Minuten auf rund 1600 m NN. Die Luft ist dabei völlig turbulenzfrei, lediglich an den schwankenden Steigwerten im Schlepp kann ich erahnen, dass hier etwas Spannendes passiert. Der Schleppilot zieht mich zu der Stelle, wo er auch die anderen abgesetzt hat. Hinter dem Windmühlenfeld klinke ich aus und muß mich nun erstmal orientieren. Zwar bin ich schon einige Male hier vorbei geflogen, aber ich kenne doch noch längst nicht jeden größeren Ort. Gleichzeitig versuche ich, das Steigen zu verbessern. Ich suche eine Weile in dieser Gegend herum, kann aber nicht nennenswert an Höhe gewinnen. Ich fliege daher auf den Tipp eines anderen Segelfliegers hin in Richtung auf den Steinbruch westlich von Ballenstedt. Dabei verbrauche ich viel Höhe und tauche zuletzt schon ein eine merklich turbulente Luftschicht ein. Für einen Rotor ist das bestimmt noch zu wenig turbulent, denke ich und versuche, eine Steigzone zu finden und zu halten. Das gelingt mir nicht und ich entschließe mich, umzudrehen und Richtung Aschersleben zurückzufliegen. Beim Kurven finde ich plötzlich 2 m/s Steigen und schaffe es, innerhalb dieser engen Steigzone hin- und herpendelnd, Höhe zu gewinnen. Ich steige bis auf 2500 m NN und fliege danach etwa zehn Kilometer Richtung Halberstadt. Dort trägt es nicht so gut und ich kehre an den Harzrand zurück, um dann an der Kante des Harzes entlang Richtung Westen zu fliegen. Faszinierend ist die fast majestätische Ruhe, mit der sich jetzt der Flug vollzieht. Hier sehe ich auch Volkmar wieder, allerdings noch etwa 1000 m tiefer. Er hatte schon zweimal den Rückweg eingeschlagen, sich aber jedes Mal wieder hochgearbeitet. Öfter verliere ich die Zone mit dem Steigen und ich entscheide nach Gefühl, ob ich Richtung Luv oder Richtung Lee verlagern soll. Während mehrere Segelflugzeuge im geöffneten Wellenfluggebiet schon auf über 3500 m gestiegen sind, habe ich östlich von Wernigerode inzwischen 2775 m NN erreicht. An dieser Stelle verlässt mich wohl meine Intuition und ich finde dort keine Fortsetzung des Steigens mehr. Ich verlagere mehr Richtung Norden, um nicht zu dicht hinter dem Brockenmassiv zu fliegen, finde aber nur gleichmäßiges Sinken. Schließlich fliege ich Richtung Blankenburg zurück und habe dabei flugs 800 m Höhe verloren. Jetzt bleibt uns noch eine Stunde bis Sunset und so gebe ich es auf, heute meinen eigenen Höhenrekord von 2850 m (in der Thermik über dem Harz erflogen !) zu übertreffen. Ich fliege die Höhe ab und kehre nach insgesamt vier Stunden Flugzeit wieder zum Flugplatz Aschersleben zurück. In der Platzrunde muß ich kräftig vorhalten. Für mich als Neuling war dies ein aufregender Flug und ein sanfter Einstieg in das Wellenfliegen. Kurz darauf landet auch Volkmar. Wir versprechen, unsere Loggerdateien für die Auswertung zur Verfügung zu stellen. Bei einbrechender Dunkelheit sind unsere Flugzeuge wieder im Anhänger verstaut. Wir sind die Letzten, die das Gelände verlassen. Zwei glückliche Segelflieger fahren nach Hause. Vielen Dank den Ascherslebener Vereinsmitgliedern, die uns so herzlich aufgenommen haben, die uns bereitwillig unterstützt und geholfen haben und uns dadurch diesen außergewöhnlichen Flugtag ermöglicht haben !

Matthias' Flug:


Flugweg - Flughöhe farbcodiert


Flugweg - Steigen/Sinken farbcodiert


Barogramm - Steigen/Sinken farbcodiert


Variogramm - Flughöhe farbcodiert

Volkmars Flug:


Flugweg - Flughöhe farbcodiert


Flugweg - Steigen/Sinken farbcodiert


Barogramm - Steigen/Sinken farbcodiert


Variogramm - Flughöhe farbcodiert

Bericht von Matthias Picht, Hattorf

Wir sind mit Mose von der Aue aus mit Motor bis ins Lee vom Brocken geflogen, konnten dort aber kein Steigen finden. Durch eine Tipp vom Diskus aus Goslar sind wir dann Richtung Blankenburg weiter geflogen und konnten dort ohne Motor steigen. Leider wurden wir sehr früh wieder zum Platz zurückbeordert und mußten den Flug abrechen


Flugweg - Flughöhe farbcodiert


Flugweg - Steigen/Sinken farbcodiert


Barogramm - Steigen/Sinken farbcodiert


Variogramm - Flughöhe farbcodiert

Peter Pollacks Flug:


Flugweg - Flughöhe farbcodiert


Flugweg - Steigen/Sinken farbcodiert


Barogramm - Steigen/Sinken farbcodiert


Variogramm - Flughöhe farbcodiert

Peter Pollacks Flug in der Auswertung von Herbert Horbrügger, Dingel:

Bericht von Ulli Böhne, AC Braunschweig

Der Wellenalarm von Erland Lorenzen ist doch eine feine Sache! Rechtzeitig alarmiert, konnte ich mich auf den 24.10. bestens vorbereiten. Die Fahrt nach Aschersleben war dazu noch ein besonders schöner Anlass, meinen für die Libelle gebraucht erstandenen Anhänger zum ersten Mal richtig zu testen.

In Aschersleben angekommen, waren die Experten, u. a. Karl-Heinz Dannhauer, noch nicht mal sicher ob der Tag überhaupt eine nutzbare Welle bringen würde. Einige beschwörende Blicke gen Himmel und auf den Wetter-PC liessen jedoch langsam die Hoffnung aufkeimen, dass es "anschwingen" könnte.

Also schnell die Flieger zusammengesteckt und an den Start geschoben. So wurde die Libelle als Nummer drei von der Wilga in den Herbsthimmel gezogen. Kurz vor Ballenstedt habe ich dann ausgeklinkt. Aber irgendwie hatte ich kein Steiggebiet getroffen. Einer der beiden vor mir gestarteten Piloten verriet mir dann seine Position, wo er gerade in 0,6 seine Achten zog. Also ein kurzes Stück wieder zurück Richtung Aschersleben und da zuckte auch schon das Vario. Aber viel mehr als 0,3 war nicht zu finden. Nach zwei Achten habe ich mal versucht weiter gegen den Wind vorzufliegen, aber ohne Erfolg. Also wieder umgedreht und am bekannten Ort mit viel Geduld wieder ein paar Meter gutgemacht. Als dann wieder 1600 m (über ASL) erreicht waren habe ich nochmal einen Versuch unternommen und bin bis an die Südwestgrenze von Ballenstedt vorgeflogen. Direkt über der Harzkante etwas westlich eines Steinbruchs ging's dann wieder aufwärts, aber jetzt sogar mit etwa 1 m/s! In diesem Aufwind konnte ich mich über Thale bis nach Blankenburg vortasten, wo ich in 2800 m über Platz ankam.

Ich war der festen Überzeugung, daß im Lee des Brockens doch bestimmt was zu finden sein muesste. Also trotz einsetzendem und stärker werdendem Fallen in Richtung Hasserode geflogen. Aber außer 2m Saufen war da nichts. Mehr als
1000m Höhe wollte ich für diesen Versuch nicht opfern. Also ging's mit kräftiger Rückenwindkomponente wieder zurück in die Gegend von Blankenburg. Hier ging's wieder aufwärts. Langsamer zwar, aber zumindest in die richtige Richtung. Mittlerweile hatte sich über der Harzkante auch eine richtig schöne Wellenwolke ausgebildet. Auf zur Luvkante der Wolke! Aber da war schon wieder nix. Verstanden habe ich das bis heute nicht (?). Zum Glück erfuhr ich von "BA", daß es über dem "Regenstein" aufwärts geht. Das war zwar unter der Leekante der Wolke. Aber egal. Und entgegen aller Theorie war da auch der Aufwind zu finden, der mich bis 3200 m (ü. ASL) nach oben brachte. Das Wellenfenster war bereits von ASL Info aktiviert worden. Es war phantastisch! Im Süden konnte man den Thüringer Wald erkennen. Und allein der Blick über den gesamten Harz mit den in der Nachmittagssonne glitzernden Stauseen war unglaublich beeindruckend.

Der Rückflug nach Aschersleben ging dank der kräftigen Westkomponente sehr schnell. In etwa 2000 m habe ich noch versucht die Position der Sekundärwelle zu finden. Und etwa 3km südwestlich von Cochstedt bin ich auf etwa 1,5 m/s (!) Steigen getroffen. Diese Linie habe ich noch versucht nach Osten bis etwa 5 km vor der Saale zu halten. Das Steigen wurde zwar schwächer, aber man hätte auch dort wieder hochkommen können. Es war aber bald Sunset. Also absteigen und bei den freundlichen Kameraden in Aschersleben landen. Um 17.40 Uhr setzte die Libelle nach über 5 h Flugzeit wieder auf. Karl-Heinz, Wolfgang Lieder, Matthias und ich schoben den Flieger zum Anhänger. Kurz vor Sunset setzte Volkmar als letzter mit der SZD 55 auf.

Es war wieder klasse in Aschersleben! Vielen Dank nochmal an die netten Kameraden, besonders an Wolfgang Lieder, der uns wieder das Wellenfenster geöffnet und alles super koordiniert hat.
Ulli Böhne, AC Braunschweig


Flugweg - Flughöhe farbcodiert


Flugweg - Steigen/Sinken farbcodiert


Barogramm - Steigen/Sinken farbcodiert


Variogramm - Flughöhe farbcodiert

Carsten Büddigs Flug:


Flugweg - Flughöhe farbcodiert


Flugweg - Steigen/Sinken farbcodiert


Barogramm - Steigen/Sinken farbcodiert


Variogramm - Flughöhe farbcodiert

Fotos von Wolfgang Lieder, Aschersleben: