Leewellen-Flug am 19.11.03 im Raum Laucha
[Karl-Heinz Dannhauer, FC Oschatz]

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Dokumentübergreifende Links:  Wetterdokumentation vom 19.11.03  
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Datum:19.11.03
Zeitbezugssystem: UTC
Startzeit: 09:26
Landezeit: 12:43
Startort: Aschersleben
Höhenbezugssystem: QNH
Flugzeugtyp: PW-5  D-5428
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Bodenwindrichtung Laucha: SW
Bodenwindstärke Laucha/Hang: 60 km/h
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Einstieg in die Welle:  10:30 Uhr
Einstieg aus: Hangwind
Einstieg in Höhe: ca. 550 m
Steigwerte: 0,5...1,0 m/s
Erreichte Höhe: 1430 m nördlicher Stadtrand Naumburg/Saale  B 180
Ausdehnung des Steiggebietes: zwei getrennte Steiggebiete (?) südlich vom Hang zwischen Dorndorf und Laucha bzw. nordwestlich Naumburg
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Höhenwindrichtung: W bis NW
Höhenwindstärke: Ca. 70 – 90 km/h


Abb. 1: In der Welle über dem Unstruttal

Freie Schilderung:

Vom Hörensagen und durch die Berichte Küttners über die Entstehung von Leewellen wußten wir natürlich, daß im Unstruttal, mit seinem Hang in Laucha, immer wieder Wellen generiert werden die segelfliegerisch nutzbar sind.

Früher hatte ich in Laucha Hangflug durchgeführt aber damals nicht einmal an Wellen gedacht,  geschweige denn eine Wellensituation erlebt.

Erst in den letzten Jahren in denen wir an verschiedenen Stellen im norddeutschen Mittelgebirge und am Harz gezielt und mit Erfolg Wellen erflogen hatten, rückte Laucha auch im Zusammenhang mit dem Gedanken unterschiedliche Wellengebiete im Streckensegelflug miteinander zu verbinden, wieder in den Blickpunkt. 

Der erste Versuch am 19.11.03  war, trotz eines ziemlich langen Anflugs, schon von Erfolg gekrönt. 

Der Start erfolgte in Aschersleben (!) um 9.26 Uhr UTC.

Der Schlepp mit dem Motorsegler dauerte 36 Minuten, etwas länger als vorgesehen, denn ich wollte eigentlich viel früher ausklinken um dann mit Rückenwindkomponente zum Lauchaer Hang zu gleiten. Der sollte bei den vorausgesagten Windgeschwindigkeiten und der Windrichtung in jedem Fall tragen. Leider waren nur von Aschersleben  bis Hettstedt, in einer Föhnlücke vom Harz, gute Sichtbedingungen. Ab Eisleben mußten wir mit dem Schleppzug ziemlich weit runter und Wolfgang (im Motorsegler) fragte ob ich denke heute nochmal die Sonne zu sehen und ob die Waschküche noch bis Laucha anhält. Mit etwas mulmigen Gefühlen kuppelte ich ca. 10 km vor Laucha aus und bewegte mich, immer noch in einer Waschküche, hin zum Hang. Der Hang trug aber sehr gut und ich konnte ohne Probleme bis auf ca. 500m steigen. Dann war Schluß –  wegen der Wolkenuntergrenze.  Ich mußte viel mit den Klappen arbeiten. Nach mehreren Runden hatte ich den Eindruck als wurde es von Süden her etwas heller und ich flog über den Hang hinaus Richtung Süden. Es wurde wirklich merklich heller und die Wolkenbasis anstieg deutlich an. Hier war kein Hang mehr aber das Steigen hörte nicht auf. Nach einiger Zeit kam die Sonne durch und ich gelangte vor eine Wolkenkante und es tat sich langsam über dem Unstruttal eine Wolkenlücke auf (vergl. Abb. 2).


Abb. 2a


Abb. 2b

Abb. 2a+b: Einstieg in die Welle - vom Hang vor die Wolkenkante (links) und dann gegen den Wind (rechts) in die Föhnlücke


Abb. 3: Das Satellitenbild zeigt deutlich die Wolkenlücke östlich des Harzes (roter Pfeil) und die Föhnlücke im Unstruttal (blauer Pfeil).


Abb. 4: Die „wellenden“ Wolkenformationen westlich vom Unstruttal sind mit etwas Phantasie auch auf dem Satellitenbild erkennbar.


Abb. 5: 3-D-Darstellung des Wellenfluges vom 19.11.03 über dem Unstruttal.


Abb. 6: Standortdarstellung der beiden (?)  erflogen Wellenaufwinde in der Reliefkarte.

Es war insgesamt ein wunderschöner Flug mit über 2 Stunden Flugzeit in der Welle und auch optisch sehr abwechslungsreichen Eindrücken. Am Ende meines Fluges startete noch eine ASK 21 von Laucha und schaffte ebenfall über den Hangwind den Einstieg in die Welle an der bereits beschrieben Stelle etwas südlich des Hanges.

Nach meiner Landung in Laucha wurde ich zu meiner Überraschung sehr herzlich mit einer Flasche Freyburger Rotkäppchen Sekt empfangen.

Also auf nach Laucha zum Wellefliegen und so !


Hier noch ein paar Standard-Darstellungen aus der IGC-Doku:


Barogramm


Variogramm


Flugweg


Flugweg (Rot = Steigen, Schwarz = Sinken) - leider am Kartenrand...


3D - Blick in Windrichtung


3D - Blick in Windrichtung