Wellenflug am 18.10.03 am Ith
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Bericht von Andreas Gidde

Nach den ersten noch ungläubig aufgefangenen Funksprüchen aus 800m an dem bisher recht windstillen Samstag (18.10.2003) hole ich schnell die ASW 27 aus dem Hangar und starte ca. 13:00 Z in Bisperode. Habe nach dem Ausklinken zunächst nur unruhigen Nullschieber und fliege direkt auf den Ith zu. Finde dann über dem Ort mäßig turbulentes Steigen im Rotor und kreise eng ein. Das bringt mir immerhin 2m/s und ich kann zügig 200 m Höhe aufbauen. Anschließend wird das Steigen unregelmäßiger. In immer noch leicht unruhiger Luft suche ich im Lee des Ith die besten Steigwerte, die irgendwie recht unregelmäßig verteilt sind. Dabei verliere ich teilweise auch wieder etwas Höhe. Dann kann ich mich aber langsam hocharbeiten und freue mich über dieses schöne Samstagnachmittagsgeschenk von Petrus. Ab etwa 800m NN wird es ruhiger und ich steige langsam weiter (0 bis 1 m/s). Der Anblich ist mal wieder traumhaft: unten im Tal Dunst, an dem man die Wellenströmung teilweise erkennen kann und über der Inversion klare Luft! Ich fliege am Ith weiter in südliche Richtung und steige teils im Tal und teils erstaunlicherweise auch fast direkt über dem Ith und erreiche hier meine größte Höhe (1900 m NN) auf Höhe der Duinger Seen. Der Wind weht mit nur ca. 20 km/h aus 90 Grad, später messe ich dann in Höhen über 1000 m 30 km/h aus 100 bis 110 Grad. Ich fliege weiter bis fast zum Südrand des Hils, freue mich des Lebens und genieße das Fliegen völlig entspannt in vollen Zügen. Als meine Höhe wieder langsam abnimmt drehe ich um und fliege wieder zurück. Schon mal nicht schlecht! Leider geht es dann so langsam auf Sunset zu und ich verbrate meine Höhe um noch weitere Steigzonen zu erkunden. Dabei kann ich noch im Lee vom Osterwald und Nesselberg Steigen finden. Über dem Schecken warte ich dann in leicht turbulenter Luft, aber auch mit z.T. 1m/s Steigen bis der Flugplatz im Schatten liegt und ich nicht gegen die Sonne landen muss. Dabei beobachte ich einen Ballon, der sich im Lee vom Ith abmüht mit z.T. einfallender Hülle! Ich nehme Funkkontakt auf - er kann dann später sicher landen, aber es war wohl sehr unangenehm! was ich von meinem Flug nicht behaupten kann. Ich lande dann - wie immer mit einem Grinsen im Gesicht - kurz nach Sonnenuntergang auf unserem Flugplatz in Bisperode. Schönes Ding!

Bericht von Jörg Dummann:

Der Sonnabend (18.10.03) Vormittag in Bisperode ließ nicht anderes als ruhige Platzrunden in der strahlender Oktobersonne erwarten ("Windstille aus ESE"). Geprägt war die Wettersituation durch eine niedrige Inversion, die eine starke bodennahe Dunstschicht "abdeckelte" (Fotos s.u.). Gegen 12:00 Z gab es dann doch offenbar durch Thermik verlängerte Platzrunden. Alarmiert hat uns dann ein in ca. 1.000 m  aus Westen anfliegendes Segelflugzeug, welches sich offenbar direkt über dem Kamm des Nordkopfes - parallel zu diesem fliegend - halten konnte. Kurz danach gab es auch die ersten Funkmeldungen von den Bremker Kameraden (Hellenhagen), die sich aus 800 m in einer Welle meldeten. Wegen des fast vollständig fehlenden Windes immer noch ungläubig, begann nun aber doch eine emsige Aufrüsttätigkeit...

Gegen 13:00 Z hatten auch die ersten in Bisperode Gestarteten direkt aus der Winde Anschluß an die Welle gefunden, offenbar - wie es die bisherige Erfahrung auch lehrte - direkt über dem Ort Bisperode. Immer wieder gab es aber auch Absaufer. Einer von diesen bescherte mir dann mein Flugzeug zurück, so daß ich schließlich um 13:53 Z starten konnte. Aus 400 m Ausklinkhöhe mit der Foka direkt auf den Nordkopf Hang vorfliegend, bemerkte ich keine ausgeprägte Turbulenz, sondern hatte eher den Eindruck in wohl ausgeprägter, aber äußerst kurzlebiger Thermik zu fliegen. Diese Aufwinde, die sich mit deutlichen Abwinden - sowohl zeitlich als auch räumlich - abwechselten, waren bis sehr nahe an den Hang vorzufinden. Auch geringfügig höher - vielleicht in 800 m (QFE Bisperode) - flogen Segelflugzeuge über dem Kamm offenbar in der Welle. Mein Weltbild ließ es nicht zu, daß ich es so nah am (Lee-)Hang versuchte, zumal sich das Gebiet der ungeordneten Aufwinde (soll man so etwas als Rotor bezeichnen?) vom Platz Bisperode bis zum Hang ausdehnte. Nach einiger Zeit hatte ich etwas über 500 m erwirtschaftet und begann zu hoffen mich nun nach Luv vortastend in den laminaren Bereich bewegen zu können. Das gelang aber nicht - ich fand mich auch nach angestrengten Versuchen weiter leewärts - bald in knapp über 300 m wieder. Mit zum Platz schielenden Auge fand sich nun aber zum Glück bald ein langlebiges, wenn auch räumlich sehr unregelmäßiges Aufwindfeld. Bald auf 450 m gelangt, ergab tastenden Verlagern, daß es nun großräumiger stieg und fast direkt darauf wagte ich den Entschluß, die Taktik zu ändern, nicht mehr zu kurbeln, sondern hangparallel zu fliegen. Das Steigen blieb, etwa mittig zwischen der Ortschaft Bisperode und dem Kamm - genau dort wo ich es vorher in größerer Höhe schon erhofft hatte. Die Aktion hatte bis hierhin ca. 30 min gedauert. Von nun ab war es problemlos. (Leider kann ich keine Angaben zu den Steigwerten machen, da meine Varios momentan nun qualitative Infos liefern...) Auffällig war, daß der starke Dunst nicht gleichmäßig verteilt war: der leehangnahe Bereich war ziemlich klarsichtig und im Tal verstärkte sich der Dunst - relativ scharf abgegrenzt von den Ith-nahen Verhältnissen. Ich hatte den subjektiven Eindruck, daß mir der Einstieg in die Welle gelang, als sich dieser trübe Bereich über die Talmitte hinaus nach W verlagert hatte. In der Höhe war dieser Bereich ebenfalls begrenzt (vielleicht bei ca. 500 m). So konnte man den Eindruck gewinnen, daß der "Rotor" so markiert war. Die Erscheinung zog sich das ganze Tal westlich des Ith entlang. (Auch im weiteren Blickfeld war der bodennahe Dunst unregelmäßig verteilt) Das Steigen ließ sich nicht ganz so einfach lokalisieren. Erstaunt mußte ich feststellen, daß viele - etwas höher fliegende - genau den Kammbereich abflogen. Ich brachte das aber nicht über mich und flog - offenbar genauso gut steigend - leewärts des Hanges in 1.200m den Ith Richtung Escherhausen ab. Dabei verlor ich immer wieder das eben noch gleichmäßige Steigen, ließ mich dann je nach Position leewärts versetzen oder flog wieder luvwärts vor, so daß ich einen Zickzack-Weg durch das Tal beschrieb, wobei ich das Steigen immer irgendwo zwischen dem hangnahen Bereich und der östlichen Begrenzung der bodennahen "Rotor-Dunstwurst" wiederfand. Beim Blick nach SE konnte man schön sehen, wie die NW-Harzberge bei Seesen ihre Köpfe knapp aus der Inversion streckten. Der Brocken thronte gut sichtbar noch einmal dadrüber. Querab der Duinger-Seen belebte sich das Steigen noch einmal. Weiter als bis zu dem südlichen Ortsrand von Escherhausen bin ich nicht mehr geflogen. Der Rückweg zum Nordkopf gestaltete sich ebenso. An der Krücke, zwischen Flugplatz und Ortschaft Bisperode erreichte ich 1500 m, wo das Steigen dann nicht mehr auffindbar war. Da die Sonne nun dem Horizont näher kam, wurde ich experimentierfreudiger, und richtete meinen Flugweg nun ungefähr in Windrichtung, ungefähr rechtwinklig zum Hang aus (Steuerkurs ca 120°). Hierbei bestätigte sich die vorher gemachte Beobachtung: in 1.400 m blieb das Steigen fast bis über den Kamm, dann setzte das Fallen fast über dem Kamm ein und nahm im weiteren stetig zu, blieb über eine längere Strecke gegen den Wind erhalten bis sich die Verhältnisse schließlich normalisierten.

Auch bei dem Rückflug über den Thüster Berg zeigten sich ähnlich Verhältnisse, allerding war der Kurs wenig aussagekräftig gewählt. Ich flog dann einen großen Bogen nach Westen, um in dem Dunst mit dem Sonnenlicht in den sich belebenden Platzrundenverkehr von Bisperode einfliegen zu können. In 500 m über dem Schecken war deutliche Turbulenz festzustellen. Der Wind hatte aufgefrischt, jetzt am Boden schätzungsweise 7-8 m/s

Die erreichte Maximalhöhe lag an diesem Tag am Ith - soweit ich weiß - bei 1.700 m über Bisperode, erreicht über dem Ithkamm querab der Duinger Seen

(Übrigens schade: meine Kamera lag unerreichbar im Gepäckfach...)

Sehr interessant, daß sich die Beobachtung von Rainer Fröhlich bzgl. der kammnahen Lage des Steiggebietes am Hohen Meißner mit unseren Beobachtungen deckt

(Es sind sehr viele Leute am Ith geflogen - bitte meldet Euch mit eigenen Berichten oder auch nur mit Kommentaren bzw. Ergänzungen zu diesem hier)